Velasquez - Horst Müller in der Galerie für Gegenwartskunst

Eine druckgrafische Arbeit aus dem Jahr 1974, hier im Video dokumentiert, ergänzt Zeichnungen aus zwei Jahrzehnten. Horst Müller arbeitete damals mit Studenten in Bereich der experimentellen Druckgrafik.

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100 Druckzustände markieren einen langen Transformationsprozess, an dessen Anfang der Kopf des Gnoms im schon an anderer Stelle erwähnten Velazquez-Bild steht. Die Figur tritt in drei Gestaltzuständen auf: leptosom, athletisch und pyknisch. Die Gestaltphänomene stellen sich aufgrund unterschiedlicher Rakelbewegungen ein. Das Geschehen schwankt zwischen Abstraktion und neuer Figuration und durchläuft viele Zeitebenen und Stilformen: George Grosz ähnlich, Karikaturhaftes wie bei Hans Traxler, Rembrandt verwandt, Ozeanien und Afrika klingen mal an, in der Mitte bildet sich in einer anderen Druckphase ein Idol.

Das bewegte Bild, Bewegung im Bild, das Bild in Bewegung. Bildnerischer Dynamismus und phasenverschobene Bildhaftigkeit als Spiegel gegenständlicher Potentialität: So lassen sich die zentralen Motive in Horst Müllers frühen zeichnerischen Operationen zusammenfassen. Ein originärer Kosmos in den Reichen des Vergangenen und Möglichen, der flüchtigen Figurationen und der abstrakten Offenbarungen. Der Künstler soll hier das Schlusswort haben: „Diese Elemente bleiben selbst dann für mich rätselhaft, wenn ich sie einkreise und festsetzen will. Was flieht, ist nicht gerade ein griffiger Gegenstand. Ich muss mir eingestehen, die Frage nach dem Fluss des Realen treibt ins Abseits, die Antwort lässt auf sich warten. Das Denken kommt immer zu spät und ist nie auf der Höhe seiner selbst.“

Textauszüge aus der Rede von Rainer Beßling zur Ausstellung 'Zeichnungen aus zwei Jahrzehnten', Galerie für Gegenwartskunst, Bremen, 2014